Astrologie
ein jahrtausendealtes Gespräch mit den Sternen

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Um unser tägliches Arbeitspensum zu bewältigen, vertrauen wir Astrologen des 20. Jahrhunderts den tabellarischen Aufzeichnungen über die Positionen der Sonne, des Mondes und der Wandelsterne, die in einschlägigen Büchern und Nachschlagewerken zu finden sind. Für die Beobachtung der lebendigen, anschaulichen Bilderkulisse am nächtlichen Firmament --- dem himmlischen Rahmen für unsere Praxisarbeit --- fehlen uns meist Zeit und Muße. Die Vernachlässigung der regelmäßigen Himmelsbetrachtung hat im Laufe der vergangenen zwei Jahrtausende unter anderem dazu geführt, daß wir ein sehr zentrales Himmelsphänomen --- welches die archaischen Sterngucker mühelos registrierten und sogar erstaunlich genau berechnen konnten --- nur mehr aus Büchern und nicht mehr aus unmittelbarer Anschauung kennen: Die Präzession der Tagundnachtgleichen. 

Die Präzession --- laut Santillana, aus der Sicht des Frühmenschen "das bedeutendste Himmelsphänomen überhaupt"--- beruht auf einer rotierenden Bewegung der Erdachse. Unsere Erdkugel dreht sich nämlich wie ein Kreisel, dessen Spitze genau im Zentrum unseres Erdballs liegt. Dies hat nun zur Folge, daß die Erdachse, wenn wir sie uns in Richtung Himmelsnordpol verlängert vorstellen, um den Nordpol der Ekliptik (der von der Erde aus wahrgenommenen Sonnenbahn) - dem wahren Zentrum unseres Planetensystems, - einen Kreis beschreibt. Diese verlängerte Erdachse braucht etwa 26.000 Jahre, um den ekliptischen Nordpol einmal zu umrunden, wobei sich im Lauf der Jahrtausende die entsprechende Sternenkulisse verändert. 

Gegenwärtig ist der Alphastern in der Konstellation "Ursa minoris" (= kleiner Bär) Polarstern. Zur Zeit der Griechen war es der Betastern in demselben Sternbild. In etwa 14.000 Jahren wird einer der hellsten Sterne des Nachthimmels, nämlich der Stern Vega in der Konstellation Lyra nahe am Himmelsnordpol stehen. Vor rund 5000 Jahren spielte Alpha Draconis die Rolle des Polarsternes.

 

 
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